Samstag, 31. Oktober 2015

1. Nov. 2015 - Überraschend schönes Philadelphia

"... faszinierendes Washington und Daumen drücken für Las Vegas" 
Genau so hatte der Titel dieses blog- Beitrags eigentlich lauten sollen. Eigentlich. Denn wir wollten diese Themen in Wort und Bild darin abhandeln. Tja, und dann war unser erster Tag in Washington zu Ende. Nur soviel, denn das folgt alles im nächsten Beitrag, wir begriffen sehr schnell, dass das dann zuviel wird. 
Deshalb nun der folgende Beitrag:

Erwartet hatten wir das nicht, unterwegs sogar einmal überlegt, die Stadt Philadelphia auszulassen. Die Entscheidung fiel letztlich anders aus - und inzwischen sind wir froh darüber. 
Denn Philadelphia hat uns ziemlich gut gefallen. Im Zentrum beherrscht zunächst einmal eine wirklich mächtige "City Hall" das Geschehen und zieht die meisten Blick auf sich.  







Aber auch weiterhin zeigte sich die Stadt in einer  gelungenen Mischung aus modernen Glasbauten und alten, meist hergerichteten Gebäuden, Kirchen oder Brunnen.














Neben dem allerdings eher unauffälligen Grab von Benjamin Franklin fanden wir noch eine ganze Reihe an "Zeugen" aus der Zeit der Unabhängigkeitswerdung der USA, zum Beispiel die "Independence Hall" oder die "Liberty Bell", die als Museumsstück fest verankert ist. 


Hier ruht Benjamkn Franklin






Ansonsten fiel uns mehrfach auf, dass Philadelphia eine extrem schwarze Stadt ist; als wir am ersten Abend in einem wirklich großen Restaurant zum Abendessen waren, fühlten wir uns als einzige Weiße dort durchaus wie eine Minderheit. 

Durch Baltimore fuhren wir, von Norden kommend, auf der Straße Nr. 1 nur durch, und wenigstens bis zur Stadtmitte etwa war das auch ganz gut so. Zwei von drei Gebäuden mehr als baufällig, jedes Fahrzeug unfallbeschädigt und fragwürdig verkehrstüchtig, an jeder Ecke kleine bis größere Gruppen junger Leute, in denen etliche oft den Eindruck vermittelten, nicht mehr ganz nüchtern (wodurch auch immer) zu sein. An jeder Kreuzung gleich mehrere Leute, die an den wartenden Autos entlang gingen um zu betteln. Unter fast jeder Brücke Zelte aufgestellt, Pappkartons (als "Wohnungen") auf manch kleiner Grünfläche. Eine, soweit wir sie an diesem Tag sahen, wenig einladende Stadt.





Dann erreichten wir die Hauptstadt Washington D.C. Die Wetterfrösche meinten vorab jeden Tag etwas anderes und so ließen wir alles auf uns zukommen. 
Wir melden uns wieder, wenn wir die Hauptstadt beurteilen können. Macht es gut derweil und ganz herzliche Grüße von 

M & T

Mittwoch, 28. Oktober 2015

29. Okt. 2015 - Andere Welt in "Amish County", ein riesiges Outlet- Center und die Stadt Lancaster

Wir erreichten "Amish County", und kaum war das erste für uns etwas seltsam anmutende Verkehrszeichen passiert, hatten wir auch schon heftig zu bremsen, weil vor uns ein Einspänner eingebogen war und sich erstmal ganz weit rechts einzuordnen versuchte. 





Zumindest also wussten wir jetzt, was im Straßenverkehr alles auf uns zukommen kann. Und das kam es in den nächsten Tagen dann auch. 






Die "Amish People". 
Vor allem aus Deutschland und Frankreich sowie der Schweiz einst ausgewanderte Menschen, die eine eigene und für unsere Verhältnisse durchaus bemerkenswerte Lebensweise pflegen. 
So gibt es keinen Strom. Daher erkennt man "Amish"-Haushalte meist schon von weitem daran, das es am Elektrizitätszuführungskabel fehlt. Und daraus folgend an der im Freien aufgehängten Wäsche, denn Waschmaschine und Trockner ist ja nicht...  
Und das gleiche gilt für ihre landwirtschaftlichen Anwesen, und seien sie noch so groß. Allerdings gibt es wohl für besondere Fälle einen Generator.







Sie leben vor allem von der meist eigenen Landwirtschaft, betreiben aber auch Fabriken, vor allem für Holzmöbel. Sie sind strenge Pazifisten (der Hauptgrund für ihre seinerzeitige Flucht) und leben im Prinzip unter sich in unterschiedlich großen Gemeinschaften. Sie wollen keinerlei Sozialleistungen, konnten aber einst auch erreichen, dass sie keine Steuern bezahlen. 
Ihre Städte, besser Ortschaften, heißen Paradise, Bird in Hand oder Strasburg, wo es auch einen Bahnhof und etliche Eisenbahnnostalgie gibt.



Ihre Gottesdienste halten sie abwechselnd bei den einzelnen Familien ab, dazu wird das Wohnzimmer ausgeräumt oder die dafür zugeführten Holzbänke werden im Sommer in einer Scheune aufgestellt; diese Feiern dauern drei, vier Stunden. 


Die "mobile" Kircheneinrichtung


Die Menschen tragen keine Knöpfe, die Männer Hosenträger und keine Gürtel, sie tragen keinen Schmuck, lassen sich eher nicht fotografieren und fotografieren sich selbst nicht. Das hat den Hintergrund, dass der Einzelne nicht im Vordergrund stehen soll. 
Zumindest hier in Pennsylvania, wo knapp 60000 "Amish" leben, wird ab Mitte Oktober bis Ende November dienstags und donnerstags geheiratet, nach der Ernte eben, da ist "Saison". Der Bräutigam benötigt ein Zeugnis vom Bischof der Kirchengemeinde, welches er dann dem für die Braut zuständigen Bischof gibt. Dann kann der Sache zugestimmt werden. Fotografiert wird wie erwähnt nicht, das Ereignis wird per mit Nadel gestochenem Text auf Leinen oder so in einen Rahmen gefasst. So etwas wird dann schon auch mal an die Wand gehängt.
Die Frauen beginnen ihre Arbeit, meistens die Hausarbeit, aber teilweise auch auf dem Feld, bei Sonnenaufgang; wenn die Sonne untergeht, ist für sie Feierabend. 
Kühlschränke werden mit Gas betrieben, Lampen mit Kerosin, geheizt wird in der Wohnküche mit Holz. 

Zu Besuch im "Amish"- Haushalt







Ein Handy ist ebenso verboten wie Computer und Fernseher. Die Männer bestellen die Felder, mit Muskelkraft, Pferden und motorlosen Maschinen, wie vor x- hundert Jahren eben.




So beschwerlich es scheint (und ist), so hartnäckig halten sie an ihrer Arbeitsweise fest...






Für uns die seltsamste Information erhielten wir in einer so genannten Einraumschule, wohin die "Amish" ihre Kinder schicken. Eine meist kaum mehr als 20 Jahre alte Frau hat etwa 25 Schüler im Alter zwischen sechs und14 Jahren in der Klasse. Die "Lehrerin" lehrt Lesen, Schreiben, Rechnen, Algebra, Geografie, Geschichte, Kunst und Singen. Oh ja, viele Fragen rasten in unseren Köpfen umher! 
In dem Alter all dies lehren? Mit welcher Erfahrung? Antwort: Lächeln. 
Schüler mit so einem Altersunterschied in einer Klasse? Antwort: Wenn zum Beispiel die Kleinsten etwas erklärt bekommen, dann lesen die anderen in zur Verfügung gestellten Büchern, studieren und lernen also. Hausaufgaben gibt es keine. Nach der achten Klasse war's das. 

Die typischen "Fahrräder" der "Amish"- Kinder vor der Einraumschule - und im unteren Foto das Klassenzimmer: 25 Schüler zwischen sechs und 14 Jahren...




Uns wurde klar, dass die Kinder gar nicht mehr lernen sollen oder müssen als das, was sie später innerhalb der Gemeinschaft brauchen. 
Allerdings darf jeder Jugendliche so um die 18 herum ein Aussteiger- und Testjahr absolvieren, mit allem, was er will und mit allem, was es innerhalb der Gemeinschaft nicht gibt. Hier in Pennsylvania entscheiden 90 % dieser Jugendlichen danach, in die Gemeinschaft zurückzukehren. 
Ganz ehrlich, uns wundert das nicht - wie sollte er auch außerhalb bestehen, wie sollte er einen Konkurrenzkampf um Arbeitsplätze gewinnen, wie nur sollte er sich über Wasser halten, wenn er merkt, dass er noch ein paar Jahre intensiv lernen müsste? Wir haben das lange diskutiert und meinen, dass den Kindern und Jugendlichen die Entscheidung nur "pro forma" überlassen ist, gehen sogar so weit zu sagen, dass ihnen die Zukunft geraubt, mindestens verbaut wird. 

Die "Amish People" sagen, sie seien zwar IN dieser Welt, aber sie seien nicht VON dieser Welt. 
Ganz ehrlich - wir glauben ihnen...







Dass wir in der Entfernung von zehn Fußminuten zu einem dermaßen großen "Outlet Center" Quartier nahmen, war Zufall. Es ist so groß, dass tatsächlich ein shuttle herum fährt... Dass wir dort einen Nachmittag verbrachten, war geplant, und dass sich etwas findet, war logisch. Aber wenn bei "Reebok", und das soll bloß ein Beispiel sein, eine "Windbreaker"- Jacke statt ursprünglich 260,- $ nur 15,- $ kostet, was willst du dann tun? Außer kaufen? Immerhin hatten wir uns einigermaßen unter Kontrolle, wenngleich das nicht einfach war. 

Mitten im "Amish"- Land liegt die Stadt Lancaster, die allerdings wenig zu bieten hatte, einige sehenswerte Gebäude. Mit das imposanteste Bauwerk entpuppte sich als das Gefängnis... Lange brauchten wir uns dort nicht aufzuhalten.

In Lancaster, ganz unten das Gefängnis






Dass wir mit dem Wetter erneut Glück hatten, sagen die Fotos aus. Weil die Vorhersagen bereits einen Regentag vermeldet hatten, planten wir, an diesem weiter zu reisen und machten uns auch auf den Weg nach Philadelphia. Von dort werden wir in die Hauptstadt Washington DC fahren, die Vorfreude darauf ist bereits groß. 
Wohl von dort melden wir uns wieder. Bis dahin, wir hoffen, dass es allen sehr gut geht, herzliche Grüße aus einer "etwas anderen Welt", 

M & T 



Sonntag, 25. Oktober 2015

26. Okt. 2015 - Ein wirklich schönes Yale, überraschendes Stroudsburg, der unglaubliche Fotograf und die Loseblattsammlung im "Delaware W. G. Nat. R. Area"

Bei herrlichem Wetter verließen wir also New London und konnten die Erleichterung direkt spüren, die sich in dem "Panda Buffet" unweit breit machte. Waren wir doch ein paarmal dort... Wieder wählten wir möglichst Nebenstraßen und kamen wunschgemäßnur gemächlich voran, nahmen aber viel vom typischen Amerika mit. 
New Haven, bereits im Einzugsgebiet von New York, war an sich zum durchfahren gedacht, aber da gibt es ja noch die dritt bedeutendste Uni der Staaten (wem es im Moment nicht einfällt: Harvard, Stanford, Yale),  und - auf dass die Klugheit überspringe - klar war uns das einenAbstecher wert. Ausgerechnet für hier und bis Washington mangelte es uns an einem Reiseführer, und mit der Beschilderung hatten sie es auch in New Haven nicht so wie gewünscht. Dafür verschwand die Sonne hinter einer nebligen, großflächigen Decke... 
So fuhren wir eine Zeit lang nach Gefühl durch die Stadt und parkten irgendwann irgendwo ein, als mal ein freier Parkplatz zu sehen war. Wir fragten zwei Damen - und standen direkt vor einem der Eingänge zum Universitätsgelände... 

"Yale"- University in New Haven











Aber hallo! Auf dem riesigen Gelände reihte sich ein ansehnliches Gebäude neben das andere, alles irgendwie großzügig angelegt, uralter Baumbestand. Wir waren eindeutig mehr beeindruckt als in Harvard. Aber weil sie nur gut sechs Prozent aller Bewerber annehmen, konnten wir nicht bleiben. 

In Danbury übernachteten wir und am nächsten Tag überraschte das Wetter selbst uns - die wir jetzt seit unglaublich vielen Tagen Sonnenschein gewohnt waren - mit bald 20° C und Sonne pur. 
Im Großraum New York herrschte dann auch wieder "Indian Summer", aus dem wir uns schon heraus wähnten. Häufig genug gab es Grund zum aussteigen, und klick, klick, klick!


Plötzlich nochmal "Indian Summer"









Als wir mehr zufällig durch Peekskill fuhren, besuchten wir kurz die Firma, die uns das Auto vermietete. Im Anschluss erlebten wir das wirklich schmucke "Hudson Valley" wahrlich anders als beim ersten Mal, als es regnete. 


Im "Hudson Valley"



Dann landeten wir in East Stroudsburg. Wir wollten bloß übernachten, stellten aber fest, dass diese hier am "Delaware" River gelegene Gegend eine sehr sehenswerte ist. Und wieder einmal spielten wir unser Trumpf As und buchten uns einige Tage ein - an Zeit mangelt es ja nicht... Die Gegend und die trails in der "Delaware Water Gap National Recreation Area" enttäuschten uns auch bei genauerem Hinsehen später nicht. 

Unterwegs in der "Delaware Water Gap National Recreation Area"






Das nächste Foto ist eine Aufnahme mit Selbstauslöser.



Ab und zu benötig(t)en wir schon Hilfe und ließen uns zusammen fotografieren; nicht immer findet sich was für eine Selbstauslöseraufnahme. Aber seit dem im folgenden beschriebenen Vorfall überlegen wir zukünftig zweimal. Wir fragten einen Einheimischen, ob er dieses Foto von uns macht.
Ich drückte ihm die Nikon in die Hand. Dreimal versuchte der gute Mann es, brachte es aber trotz Erklärung nicht fertig, überhaupt den Auslöser zu drücken. Dann endlich klappte das, und folgendes Foto entstand...


Nach einem Lachanfall setzten wir unseren hike fort und fotografierten den Rest wieder alleine... Praktisch überall gingen wir inzwischen über Laubteppiche, die Blätter haben hier ihre letzte Reise mehrheitlich bereits angetreten. Der Wald ist eine richtige "Loseblattsammlung".








Wir regelten, wie es weiter geht: "Amish County" (gerade angekommen), Philadelphia, Washington DC. Danach zweigeteilt, die eine Baltimore, der andere Las Vegas.

Davor melden wir uns sicherlich nochmals. Wir hoffen, Ihr seid alle wohlauf und nicht womöglich bereits im Weihnachts- Einkaufsstress, wie einige in der hiesigen TV- Werbung (DSDA!). Die besten Grüße aus dem Gebiet der Pferdekutschen und Elektrizitätslosigkeit, 

M & T