Montag, 5. Januar 2015

04. Jan. 2015 - Traveller- Episoden aus Corrientes

Bei strömendem Regen haben wir die traumhafte Region um Puerto de Iguazu verlassen, aber des Wassers von oben waren wir auch satt. Zumal wir im Hostel lange weder Wasser noch Strom hatten. Wir passierten Kleinstädte wie Eldorado oder Monte Carlo.
Im Bus lernten wir Juan kennen, und er spricht fabelhaftes deutsch, ist auch deutschstämmig und war auf fast dem gleichen Weg wie wir. Von dem sehr netten Argentinier hörten wir viele interessante Aspekte, z. B. was so verdient wird. Und das war für uns erschreckend wenig, erst Recht wenn wir überlegen, wie voll überall die Restaurants waren und sind, und was alles hier kostet. Aber er sagte uns auch, dass die Argentinos einerseits für viele Dinge irgendwelche staatlichen Subventionen und Zuschüsse bekommen, und dass sie sehr viel auf Raten kaufen andererseits. Als wir ihm unsere Pläne für das Ziel Corrientes sagten, nämlich dass wir in die "Esteros de Libera" wollen, da rief er seine Frau  zuhause an und bat sie, für uns Angebote im Internet zu checken, weil unser spanisch da schnell ausgereizt ist. Tatsächlich übermittelte sie auch etwas.
Als wir am frühen Abend ankamen, versuchten wir auch gleich, nähere Infos zu ergattern, aber per Internet klappte nichts mehr. Am nächsten Tag telefonierten wir, jemand sprach echt akzeptables englisch und sagte uns, dass sie keine Touren in die Sümpfe durchführen und uns abraten wollen, denn erstens seien sie an den 40 °C und zweitens seien bei dem Wetter auch keine Tiere zu sehen. Wir hatten auf Kaimane, Wasserschweine, Rehe und eine Menge Vögel gehofft...
Das hieß Planänderung, und die erste war, die Stadt anzuschauen. Vollkommen überraschend entpuppte die sich als echt sehenswert, mit langer, wunderschöner Promenade am sehr breiten Parana- Fluss, und einigen Stadtstränden. Bei der Touri- Info wollte der Mitarbeiter unbedingt englisch mit uns sprechen und erklärte, dass hier eher keine Touristen her kämen; er hatte auch in einem Reisebüro gearbeitet und seit 2008 kein englisch mehr gebraucht. Unter anderem meinte er auch, dass wir jetzt nicht in die Sümpfe könnten, weil uns die Moskitos umbrächten. Wir sollten bis Juli warten😃😃😃. Tatsächlich übrigens fühlten wir uns hier wie die totalen Exoten, wurden ständig fast angestarrt (meine logische Erklärung war ja, dass die Leute Marion ansahen, weil sie dachten "Mann, muss die reich sein"😀 - das Wuschel wollte das aber nicht glauben!) wie Raritäten. Es finden sich wirklich wenige Touris hier ein, aber genau das wollten wir ja auch erleben. Nächstes Beispiel war ein Abendessen auf den Tipp der Touri- Info hin, weil man dort den besten Fisch der Stadt bekäme. Noch vor der Tür wurden wir gefragt, woher wir kommen, und als wir es sagten, ging das hörbar von Ober zu Ober: "Alemanes". Echt unglaublich! Dort haben wir dann einen "Pacu" gegessen, ein Fisch aus dem hiesigen Fluss ähnlich wie eine Flunder, und absolut schmackhaft. Dazu einen wundervollen Chablis aus Mendoza, ich wollte sogar die leere Flasche mitnehmen!

Dann geschah etwas schreckliches! Meine erst 2007 in Südamerika erworbenen Wandersandalen haben die häufige Durchnässung in Iguazu nicht überlebt und gingen auseinander. Natürlich brach der Schwabe, und gleichzeitig der Cheftraveller durch und ich habe sie - gegen alle Widersprüche und viele, viele Stiche in die Finger kassierend - genäht. Die Nadel ging zu Bruch, weil die ja auch nicht für Leder und Gummi gefertigt war, aber jetzt kann ich sie weiter benutzen, die Schuhe. Wir haben dann abends Ersatzschuhe, also ähnlich den genähten, auf Vorrat gekauft, die trage ich nun mit herum. Die alten sind schließlich wieder pfenniggut!😊
Übrigens konnten wir im Schuhladen (um die dreissig gibts in der Fußgängerzone, eine Frauenstadt!) sehen, dass neben dem effectivo- Preis, also cash, auch der für  Kreditkartenzahlung steht (5 - 10 % mehr) und zusätzlich die Bedingungen für Ratenkauf angegeben sind. Bei Schuhen!








Wir haben zwei Lieblingsläden in der langen Fußgängerzone: Ein Geschäft, das Motorräder, Küchenherde und Thermoskannen verkauft (😅echt), und eine Eisdiele. Sie machen tolles Eis, nur du verlierst halt den Wettlauf gegen die Sonne; ich hab dann dafür ein shirt mehr für die Wäsche... Thermoskannen sind hier mehr als beliebt, man sieht unzählige Leute mit einem kleinen Schüsselchen und einer Thermoskanne. Im Schüsselchen befindet sich Mate- Tee (sieht ein bissi aus wie Gras, ihr wisst schon, das Gras, das wir nur von Bildern her kennen), und immer wieder gießen sie einen guten Schluck heiß Wasser drauf. Die Schüsselchen, und natürlich die Thermoskannen, lassen sich an sehr vielen kleinen Ständen erwerben.
Also zu den Leuten, die man sieht, das geht nicht zwischen halb eins und halb fünf nachmittags. Wir haben noch nie eine solche Stadt gesehen. Da ist die Fußgängerzone
leer, also da ist niemand. Niemand! Die Stadt war uns! Nicht, dass es hier irgendwie irgendwann mal hektisch zuginge, nein, aber sowas von niemand, das war schon heftig.
Sehr strenge Siesta!   

Mit wirklich sehr viel Mühe und Glück konnten wir dann noch zwei Bustickets für die Weiterfahrt nach Cordoba ergattern. Dahin geht es noch heute per Nachtbus. Aber wir leiden ein wenig darunter, dass hier Ferien sind und sehr viele Argentinier in eben diesen Bereich von Cordoba reisen, um Urlaub zu machen. Man wird sehen, was uns erwartet.

Von dort wahrscheinlich melden wir uns wieder. Bis dahin hoffen und wünschen wir, dass alle gut ins Neue Jahr gestartet und wohlauf sind.
Herzliche Grüße und auf bald,

M & T













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