Sonntag, 18. Januar 2015

16. Jan. 2015 - Andenfaszination, Schockstarre und Glückshormone im wunderschönen Mendoza









Weil wir jetzt mindestens vier Tage keinerlei vernünftige Netzanbindung hatten (für ne app ab und zu hats eben so gereicht, nicht fürs Internet), der Beitrag aber fertig geschrieben war, kommt er etwas verspätet. Dafür gibts bald was Neues. Versprochen.

Ein Nachtbus brachte uns nach Mendoza. Weinstadt, aber viel mehr. Eine wirklich wunderbare, schöne, relaxte Stadt. Weil sie Mitte des19. Jhd.durch ein Erdbeben platt gemacht wurde, konnten die beim Neuaufbau natürlich top planen. Es gibt keine (keine!) Straße,  die nicht mit herrlich Schatten spendenden Platanen links und rechts gesäumt ist. Ansonsten hat und gibt es alles, was man braucht. Wir wollten diverse Aktivitäten durchführen und einige Pläne umsetzen. Unter anderem planten wir zuerst, einmal einenTag einen Mietwagen zu nehmen.
Hahaha! "Nichts verfügbar, in drei Tagen wieder", "sorry, high season, no have", da ging grade mal nix. Unfassbar. Wir überlegten und versuchten, über einen längeren Zeitraum ein Auto zu bekommen, und wir setzten echt alle verfügbaren Hebel in Bewegung. Weil wir ehrlicherweise auch ein wenig des Busfahrens und der Umstände damit müde waren, dachten wir, lass uns doch per Mietwagen bis Salta fahren. Aber du glaubst das nicht, das beste Angebot war 95,- € / Tag (und dann isses eine alte, herunter gerittene Karre mit dem Decknamen Chevrolet), und der Hammer kommt dann noch, sie wollen 600,- € Einwegmiete, also das war das beste, was wir bekamen...
Nicht machbar! Wir durchpflügten also Mendoza per Fuss und per Rundfahrtbus und überlegten, planten, verwarfen. Dazwischen nahmen wir natürlich regelmäßig Steaks und Wein auf, immerhin isses Urlaub. Wirklich zufällig fand das Wuschel auf dem Weg in unser (wieder mal vollkommen falsch gebuchtes und absolut skandalöses) Quartier eine einheimische "Vermietklitsche", die uns für den übernächsten Tag und horrendes Geld ein Wägelchen anbot. Okay.
Auf diesen Ausflug zum höchsten Berg der Anden und zum höchsten weltweit ausserhalb Asiens freuten wir uns echt extrem. "Alta Montana" hieß die Tagestour. Tatsächlich verbrachten wir eine lässige Zeit in Mendoza und es war dann soweit. Und klar, natürlich waren wir schon an dem Büro, als es noch geschlossen war. So setzten wir uns in der Plaza auf ein schattiges Bänklein und warteten, den Eingang unter Sichtkontrolle. Als er kam, gingen wir sofort und voller Vorfreude hinüber, erledigten den Papierkram und folgten ihm über eineinhalb Blocks zu einer der hier zahlreichen Parkgaragen,  wo das Auto stand. Von da an gings flott und ruckzuck hatten wir die Stadtgrenze Mendozas auf dem Weg in die Anden erreicht.
Ich fragte, wo eigentlich die Fotokamera sei und wusste die Antwort doch im selben Schockmoment! Sie war auf der Bank im Park liegen geblieben. Das war 45 Minuten her! In einem Land, wo dir in jeder Stadt, auch hier, fünfmal gesagt wird, du sollst deine Kamera nicht offen an der Schulter hängend herum tragen. Irgendwie fuhr ich nicht frontal in einen Bus, wahrscheinlicb weil ich fieberhaft nach irgend einem anderen Schuldigen suchte außer mir, allerdings fand sich da niemand. Klar, die war weg, und trotzdem mussten wir umkehren. Als wir die Plaza erreichten sah ich sofort, wie schrecklich leer die Bank war! Irgendwie nur alibimässig fragte ich zwei in der Nähe sitzende Männer, ob sie irgendwas von einer Fotokamera wüssten. Achtung! Nickt doch einer von denen, sagt "si" und wickelt meine Nikon aus einer Plastiktüte! Diesen Augenblick zu beschreiben ist sehr schwierig. Ich bin sprachlos, bedanke mich aber doch etwa dreitausend mal, gebe ihm 200 Peso und juble innen aud aussen! Marion, die es vom Auto aus gesehen hatte, freute sich mindestens genauso, tränte ein bisschen, und unser Tag war bereits um elf Uhr morgens ein toller. Ganz fett Dusel gehabt.
Und dann folgte der Ausflug. Bereits die Fahrt dorthin bot sensationelle Ausblicke, der Acongagua mit seinen fast 7000 Metern tat ein übriges, und über den Tag schossen wir grade mal 200 Fotos (klar, neue Kamera😊). Unter anderem fuhren wir zur Krönung des Tages noch eine dreiviertel Stunde lang über unbefestigte und enge sowie steile Wege über 6,5 km die alte Passstrasse hoch zum ehemaligen Zollgebäude zw. Argentinien  und Chile, welches bei 4200 m liegt. Dort pfiff so gewaltig ein streng kühles Lüftchen, dass du fast die Autotür nicht mehr zu bekommst. Und viel mehr als ein schnelles Foto von der Statue "Christo Retendor" geht in shorts und shirt auch nicht. Was für ein faszinierender Tag!

Ich muss mich noch entschuldigen, und zwar öffentlich bei allen, die mit Schuhmacherei zu tun haben. Dass ich versucht habe, mit einer Nähnadel und üblichem Faden einen ledernen Schuh selbst zu nähen... Inzwischen liegen die Latschen kn einem Mülleimer in Mendoza. Ich trage die neuen, in Corrientes erworbenen Schuhe. Und ich nähe höchstens noch Knöpfe an irgendwo.

Inzwischen haben wir Mendoza verlassen und sind über San Juan (nochne Weingegend) im Niemandsland, welches sich Valle San Augustin de Fertil nennt, gelandet. Hier gibt es zwei Nationalparks, die man gesehen haben sollte. Gestern standen wir in der Gruppe am Eingang, es begann zu regnen, dann zu gießen,  dann zu schütten und der Park wurde geschlossen. Also versuchten wir es heute erneut und hatten Glück am "Ischigualasto". Traumhafte Gesteinsformen und Reste aus der Zeit der Dinosaurier. Fotos dazu gibts später mal. Einen Tag in dieser Ecke zu verlängern fiel nicht schwer, denn unser Quartier ist eine Mischung aus DZ und Cabana mit Garten üppig vor der Tür, pool und Terasse, sowie, wenn wir mögen, einer Boxerhundfamilie, wobei das Kleine ein drei Monate alter Albino ist und erst noch in seinen Kittel reinwachsen muss. Sehr lustig.
Hier wird neben selbstverständlich sehr gutem Wein auch vor allem Zicklein als Spezialität angeboten, und dieses schmeckte uns bisher vorzüglich. Nur, dass alle wissen, nicht nur ihr zuhause habt einen hoffentlich schönen Fasching, auch uns gehts gut. Das wars für heute, wir grüßen  Euch herzlich aus dem Nirgendwo und sagen auf bald,

hasta luego, M & T





2 Kommentare:

  1. Hallo ihr unglaublichen Glückspilze! Manmanman, hattet ihr ein Glück mit der Kamera! Tolle Fotos - da wächst die eigene Reisesehnsucht. Das mit den Alleen in jeder Straße ist ja ein absoluter Traum! Bei uns haben viele ja leider eher die Meinung: "Bäume machen nur Dreck". Herzliche Grüße aus dem Frankenland! Sabine

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  2. Tolle Bilder! Liebe Grüße aus dem grauen, nasskalten und matschigen Esslingen:-)
    Momentan würde ich gerne mit Euch tauschen...

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