Mittwoch, 2. September 2015

3. Sept. 2015 - Landschaft, Klippen, Wetterglück und zweifach Moose- Alarm in Neufundland Teil 2

Von der Hauptstadt St.John's aus reisten wir - insgesamt einige hundert Kilometer auf und vom Anfang des "Transkanada"- Highways aus - westlich und danach nordwestlich. 
Die Landschaft zeigte sich hügelig, aber nicht wirklich bergig, denn über 200 Metern Höhe findet sich nichts. Aber was uns an Wäldern und Seen, Fjorden und Klippen, aber auch Sandstränden begegnete, das hatte echt was! Bisher blieb uns der Wettergott mehr als wohlgesonnen, im Radio hörten wir stets "it's a great day", die Einwohner fanden jeden Tag "lovely". Tatsächlich schien nach dem halben Tag Regen in St. John's ganz zu Beginn praktisch immer die Sonne, auch wenn es natürlich immer auch teilweise bewölkt war. Für hier, wo die Durchschnittstemperatur bei 15° C liegt, ist das echt warm, denn wir hatten fast immer  zwischen 22 und 25° C. Logisch, für uns bedeutete das, shorts wieder vorgekramt, aber auch lang getragen. In der "Notre Dam Bay" gar "gaaaanz lang".

Unser Ziel nach St. John's war die Halbinsel "Bonavista", wo wir in Trinity übernachten wollten, weil es dort cabins gab. Allerdings waren alle ausgebucht, als wir ankamen. Trotzdem war das Village nett anzusehen mit seinen oft historisch alten Holzhäusern. 



In Trinity



Jedoch landeten wir - da das als nächstes an der Straße liegende Motel ebenfalls voll war - in einem Hostel. Es war das "The Sherwink" in Port Rexton (oder Trinity East), und die Entscheidung, dort zu buchen, war top! Erstens war es ein an Sauberkeit nicht zu überbietendes Haus, zweitens überschaubar, drittens Küchenbenutzung möglich und zuletzt trafen wir sehr nette Leute dort, die deutsche Volontärin Lina aus dem Norden, die deutsche Volontärin Tina aus dem Osten und deren Freund und Volontär Garett aus Hawaii. Alle jung und voller Pläne, wir hatten eine Menge Themen und eine Menge Spaß dort. 

Zudem befindet sich dort einer der schönsten Wandertrails der Welt. Und wenn diese Werbeaussage einmal richtig war, dann für den "Sherwink Trail". Wir wanderten für zweieinhalb Stunden durch den typisch kanadischen Wald, aber oberhalb schroffer Klippen und grandiosen Aussichten. 


Unterwegs auf dem "Sherwink Trail"











Am nächsten Tag besuchten wir die kleinen, aber putzigen und immer im Clinch mit den frechen Möwen befindlichen "Puffins". Das sind Papageientaucher, die in Erdhöhlen auf felsigem Gelände leben. Wir kamen einigermaßen dicht heran, gerne wären wir noch näher hin, gerade wegen den Fotos, denn "Puffins" sind flink unterwegs. 





Sehr schöne Ausblicke fanden wir auch am wunderbaren "Cape Bonavista", und weil es hier so wenig Touristen gibt, waren wir auch sehr oft alleine mit der absoluten Stille, abgesehen vom Wind oder den Wellen. 


Am "Cape Bonavista"









Dass es an einem Abend für uns fünf (wir und die Volontäre) Spaghetti mit kingprawns, scallops und frischen Steinpilzen und Pfifferlingen gab, sollte der Höhepunkt des Tages werden - und blieb am Ende nur eine Randbemerkung! Denn nach dem Essen wanderte aus dem nahen Wald ganz gemächlich ein mächtiges Moose in unsere Richtung. Marion entdeckte es zuerst, ich rannte wie irre, die Kameras zu holen, und dann war da nur noch klick, klick, klick! Aber alle taten das. Und versuchten trotz Dämmerungseinbruch ihr Bestes. Die Expertenmeinungen gingen auseinander, ein kanadischer Tourist meinte, der Bulle sei zwei, ein Jäger sagte uns, er wäre fünf Jahre alt. Egal, endlich Moose- Alarm! Ein perfekter Tag! 


"Moose- Alarm" I




Weiter führte unser Weg in Richtung nordwest. Zum "Terra Nova"- Nationalpark, dem östlichsten des Landes überhaupt. Hier sah es so aus, als ob es ausser Seen, Meer und Wald überhaupt nichts gibt. Tankstellen sind ein- oder zweisäulig und rar, einkaufen war nicht einfach, denn das Angebot blieb mager, schließlich endet die Saison bald und keiner will irgendwelche Reste lagern oder wegwerfen müssen. Die meisten Läden schließen spätestens nach September... Wir fanden aber in Charlottetown ein tolles Quartier, ein Motel. Und als wir fragten, ob es im dazu gehörenden Restaurant auch Moose gäbe, fragte uns Donna, die nette Frau, ob wir denn welches wollten. Was für eine Frage! Sie hörte ein deutliches, klares, stimmgewaltiges "Ja"! Es gab keines im Restaurant, aber sie besorgte ein mächtiges Stück für uns, welches ihr Ehemann abends mit einem handgeschriebenen Zettel von ihr, wie es zubereitet werden soll, bei uns im Zimmer vorbei brachte. Und sie wollten nicht einmal etwas dafür. 


"Moose- Alarm" II a


Er jagt sie selbst, erzählte uns Anthony, und natürlich erzählte er uns bei einem Bier noch viel, viel mehr, allerdings verstanden wir aufgrund seines vollkommen unfassbaren slangs gerade einmal ein Fünftel davon... 
Das Moose, was ja so ist wie der Elch in Skandinavien, bereiteten wir ähnlich zu wie ein Gulasch, mit Zwiebeln und frischen Waldbeeren - Pilze fanden wir leider keine an diesem Tag. Es schmeckte sehr gut, auch wenn man es mit mehr Erfahrung mit diesem Fleisch sicher noch besser hin bekommt, sagen wir es ging in Richtung Wildgulasch.








"Moose- Alarm" II b


Auch rund um Charlottetown fanden wir im Nationalpark eine Reihe traumhaft in die Landschaft gebettete trails, die wir fast alle durchwanderten, einschließlich der höchsten Erhebung mit 188 Metern, wohin wir aber aufgrund der Uhrzeit fuhren. Wir wollten hier auch Heidelbeeren suchen, aber das klappte nicht - denn hier muss man die nur aufsammeln bzw. abzupfen, suchen ist ein ganz falscher Ausdruck. Sie wachsen reichlich und überall, und sie sind groß und schmecken! 

Auf den Wanderstrecken im "Terra Nova"- Nationalpark







Vom "Terra Nova"- Nationalpark, der uns mit Nieselregen und sechs (6!) Grad Celsius um zehn Uhr morgens verabschiedete, cruisten wir zum nördlichsten Punkt unserer Reise, der "Notre Dam Bay", wo wir im Bereich Twillingate Station machten. Dort hatten wir dann zwar Sonne, aber doch frische Temperaturen. Nicht umsonst nennt sich die Stadt "Iceberg- Capitol of the world" - auch wenn wir für Eisberge vor der Stadt zu spät oder zu früh dran waren. Dafür wurde dort nicht mit traumhafter Landschaft und herrlicher Küstenlinie gegeizt.

In der "Notre Dam Bay"










Und nun? Nun setzen wir unserer Reise in Richtung Westen und Südwesten fort, werden zwar unterwegs noch die eine oder andere Station machen, aber Ziel ist der "Gros Morne"- Nationalpark. Für einige Tage sicherlich, und ohne Netz wahrscheinlich, aber wer weiß. Dann müssen wir auch bereits wieder daran denken, dass wir die Fähre von der Insel herab buchen müssen. 
Euch alle grüßen wir herzlichst, und auf bald, 

M & T 










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